Was können wir über den Umgang mit einer Pandemie lernen?

Insgesamt zwölf Mal war ich jetzt schon in Sierra Leone. Christian Kamara (Generalsekretär des CVJM in Sierra Leone) ist ein guter Freund von mir. Eine Partnerschaft findet – aus meiner Sicht – immer auf Augenhöhe statt. Daher war es mir wichtig, von einem der „Ebola-Krisenmanager“ in den Jahren 2014/2015 etwas für die aktuelle Corona-Krise zu lernen… .

Christian – vor ungefähr sechs Jahren – im März 2014 hat die Ebola-Krankheit in Sierra Leone begonnen. Wann hast du realisiert, dass es sich um eine schlimme Epidemie gehandelt hat?

Eine „mysteriöse“ Krankheit breitete sich am 26. Dezember 2013 in einem kleinen Dorf in Guinea lautlos aus, wurde jedoch erst am 21. März 2014 nach dem Tod eines 10-jährigen Jungen als Ebola identifiziert. In Sierra Leone begann der Ausbruch langsam und lautlos und führte Ende Mai und Anfang Juni allmählich zu einer Reihe von Krankheitsfällen. Die Fälle nahmen dann im letzten Quartal des Jahres exponentiell zu, wobei im November 2014 ein dramatischer Anstieg zu verzeichnen war.

Mitarbeiter des CVJM Sierra Leone verteilen Informationsmaterial und Hilfsmittel 2014

Wie hat sich Ebola auf deine Gesellschaft ausgewirkt – abgesehen von den Menschen, die krank wurden?

Die Wirtschaft ging während des Ebola-Ausbruchs stark zurück. Es gab eine Nahrungsmittelknappheit. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis stiegen. Es gab vereinzelt Lieferungen des Welternährungsprogramms an Häuser mit Familien in Quarantäne, die vom Virus betroffen waren. Die Landeswährung verlor schnell an Wert. Sanitärprodukte wie Plastikeimer und Chlor sind bis heute teurer als vor dem Ebola-Ausbruch.

In sozialer Hinsicht hat die Ebola-Epidemie gezeigt wie schwach das Gesundheitssystem ist. Der Präsident hat den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten von Bürgern wurden im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Virus stark eingeschränkt. Eine Ausgangssperre wurde mit Ausnahme der systemrelevanten Arbeitskräfte verhängt. Schulen und Universitäten mussten schließen und öffentliche Versammlungen waren strengstens verboten. In allen Einrichtungen und Heimen wurden Hygienemaßnahmen durchgesetzt. Soziale Distanzierung und regelmäßiges Händewaschen wurde zur absoluten Pflicht. Der CVJM in Sierra Leone stellte seine normalen Aktivitäten ein und konzentrierte sich voll auf den Kampf gegen Ebola. Viele Tausend Menschen kamen durch Ebola ums Leben. Das ist eine Erinnerung, die noch immer für viele unerträglich ist. Sie ist noch immer tief in den Herzen und Gedanken der Angehörigen verankert.

Was waren die größten Herausforderungen für euch in dieser Zeit?

Es gab mehrere Herausforderungen. Eine koordinierte Reaktion zu Beginn des Ausbruchs fehlte völlig. Das änderte sich erst mit der Einrichtung des Nationalen Ebola-Reaktions-Zentrums. Die Führungskräfte waren trotz begrenzter Ressourcen (Finanzen, Schutzausrüstung, Ausrüstung und Personal usw.) irgendwie gezwungen, das Virus einzudämmen. Der Mangel an grundlegender Ausrüstung machte die Rückverfolgung und Überwachung von Kontakten sehr schwierig und komplex, was dazu führte, dass sich immer mehr Menschen mit dem Virus infizierten. In den meisten Häusern unter Quarantäne herrschte Nahrungsmittelknappheit, was dazu führte, dass sich viele aus aus diesen Häusern schlichen, um Nahrungsmittel zu beschaffen.

Mit einem „fahrenden Ärzteteam“ hat der CVJM Sierra Leone einen großen Anteil an der Aufklärung der Bevölkerung und Eindämmung der Ebola-Epidemie leisten können.

Das Gesundheitspersonal und freiwillige Helfer waren nicht  angemessenen und gründlich darauf vorbereitet, um mit kranken Menschen umzugehen und Fälle effektiv zu behandeln. Es gab zusätzlich das Problem einer gemischten Nachrichtenübermittlung mit Fakten und Mythen über das Virus, die eine Eindämmung der Krankheit ernsthaft beeinträchtigt haben.

In Bezug auf die gegenwärtige Coronakrankheit: Wie wirkt sie sich derzeit auf euch aus und was erwartest du in Bezug auf diese Krankheit für die Situation in Sierra Leone?

Wir sind immer noch optimistisch, dass Sierra Leone vom Corona-Virus verschont wird. Da Guinea und Liberia Fälle von Koronaviren als Nachbarländer verzeichnen, ist die Tendenz für Sierra Leone, das Virus auch hier zu haben, aktuell hoch. In dieser Hinsicht stellt sich CVJM Sierra Leone auf die folgenden Dinge ein:

  • Der CVJM ist sofort bereit zu reagieren, falls es bei uns im Land auch einen oder mehrere Fälle geben wird.
  • Corona wird sich auf unsere Aktivitäten – an aktuell 23 Orten – auswirken.
  • Die Krankheit kann sich auf die wirtschaftliche Situation des CVJM Sierra Leone auswirken.
  • Wir haben bereits in unseren Büros und Gebäuden Hygienemaßnahmen eingeleitet, Informationsmaterial ausgetauscht und die Projekt-Aktivitäten in einigen Bereichen eingeschränkt.
Christian Kamara beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Lüdenscheid

In Lüdenscheid wurde ein Krisenstab einberufen. Die Stadt Lüdenscheid musste Schulen, Kindergartenschulen, unser Theater, Museen, Schwimmbäder und sogar Bars sowie Restaurants schließen. Alle Geschäfte – mit Ausnahme der Grundbedürfnisse – sind ebenfalls geschlossen. Wie empfindest du diese Situation?

Wir sind zutiefst traurig über die Situation in Deutschland. Unsere Gedanken und Gebete sind bei CVJM und dem gesamten deutschen Volk. Obwohl es harte Beschränkungen sind, handeln alle Verantwortlichen im besten Interesse und zum Schutz der Bevölkerung.

Gemeinsam mit Christian Kamara bei einer Pressekonferenz in Sierra Leone: Am Abend waren wir im TV und im Radio – am kommenden Tag in den Zeitungen des Landes zu finden… .

Welchen Rat kannst du uns als jemand geben, der die Ebola-Krankheit durchgemacht hat und einige kritische Situationen bewältigt hat (Rebellenkrieg, Cholera-Krankheit, Wassermangel und Schlammlawine)?

Mein Rat ist einfach: Wendet Hygienemaßnahmen wie das gründliche Händewaschen an. Befolgt die Anweisungen der Ärzte und die Richtlinien der Regierung. Vermeidet Bereiche, die als risikoreich gelten, und wendet die soziale Distanzierung an. Alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen müssen jederzeit befolgt werden. Reagiert nicht panisch, sondern bleibt ruhig und haltet euch an die Anweisungen.

Wendet die drei „i’s“ an:

  • Iidentifiziert eine Person, die Symptome zeigt,
  • Isoliert die Person, die Symptome zeigt und
  • Informiert das Gesundheitsamt, damit diese Person getestet und behandelt wird.

Es wird vorbeigehen und alles wird gut. Seid belastbar und unterstützt euch gegenseitig in diesen sehr schwierigen Zeiten.

Hilfe für Kulturschaffende, kleine und mittelständische Unternehmen, Selbständige und Freiberufler…

In den vergangenen Tagen habe ich mich beruflich mit dieser Fragestellung intensiv beschäftigt. Bezogen auf das Unternehmen, in dem ich selbst die kaufmännische Verantwortung trage. Und ich bin tief bewegt, wenn mir liebgewonnene Kunden aus dem Handwerk, der Gastronomie oder dem Schaustellergewerbe davon berichten, dass ihnen bis zu 100 Prozent des Umsatzes in den kommenden Wochen wegbricht. Genauso geht es einigen Schauspielern, Musikern, Künstlern, Veranstaltern und anderen Freiberuflern. Daher habe ich – nach bestem Wissen und Gewissen – im Folgenden einige Informationen zusammengestellt.

Soforthilfen für Kleinunternehmen und Selbständige in NRW

Das Soforthilfeprogramm für kleine und mittlere Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Solo-Selbstständige und Freiberufler des Landes Nordrhein-Westfalen baut auf dem Hilfsprogramm des Bundes auf. NRW stockt das Programm auf und zahlt Unternehmen mit 10 bis 50 Beschäftigten ebenfalls einen Zuschuss.

Höhe der Soforthilfe in Nordrhein-Westfalen:

  • Bis 5 Mitarbeiter: 9.000 Euro (Bundesleistung)
  • Bis 10 Mitarbeiter: 15.000 Euro (Bundesleistung)
  • Bis 50 Mitarbeiter: 25.000 Euro (Landesleistung)

HIER BEANTRAGEN (mit Link zu allen weiteren Informationen)

Hinweis: Künstlerinnen und Künstler sowie freiberufliche Lehrkräfte sind ebenfalls antragsberechtigt.

Weitere Soforthilfen für freischaffende Künstlerinnen und Künstler in NRW

  • Soforthilfe für Künstler bis zu 2.000 Euro
  • Auszahlungen von Förderungen, die bewilligt worden sind bzw. sich noch in der Prüfung befinden

Die weiteren Informationen zu diesem Programm befinden sich auf der Seite des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW

Die Soforthilfe muss nicht zurückerstattet werden!

Was wir selbst in der Krise tun können…

Häufig unterschätzt, aber für mich der wichtigste Punkt. Bezogen auf die Wirtschaft- und Finanzkrise 2008/2009 – und damit auch heute wieder „aktuell wie nie“. Wir Menschen neigen gerne zu Aktionismus bezogen auf die Beantragung von Zuschüssen und Darlehen und sind dann enttäuscht über den Aufwand und ggf. Auflagen, die damit verbunden sind (so geht es mir häufig). Doch es gibt viele Dinge, die Selbständige und Kleinunternehmen von sich aus berücksichtigen können:

  • Mitarbeiter einbeziehen: Es ist wichtig, die Mitarbeiter von Anfang an in die Thematik einzubinden. Damit schaffen wir Verständnis für die wirtschaftlichen Folgen der Krise und die Bereitschaft, diese gemeinsam zu tragen.
  • Quer-Qualifikation innerhalb des Unternehmens: Es ist wichtig, die Mitarbeiter bereichsübergreifend zu schulen, damit Sie im Fall des Ausfalls von Kollegen auch in der Lage sind deren Tätigkeiten zu übernehmen. Sollte jemand ausfallen, kann festgelegt werden, wer die Arbeit übernimmt.
  • Auf den Ausfall von Führungskräften vorbereiten: Wenn der Geschäftsführer oder andere Führungskräfte ausfallen, können andere in diesem Fall die anstehenden Arbeiten übernehmen.
  • Vermeidungsstrategien entwickeln: Mitarbeiter mit Husten oder Erkältungssymptomen sollten zu Hause bleiben, andere können ins Home-Office gehen oder außerhalb der eigenen Abteilung die Arbeit wahrnehmen.
  • Überstunden und Resturlaub abbauen.
  • Kosten-Nutzen-Abwägung jeder einzelnen Tätigkeit.
  • Einnahmen vorziehen und Ausgaben zurückstellen.
  • Die Zeit für Fortbildungen (Webinare) sowie für anstehend Instandhaltungen nutzen
  • Meetings ins Internet verlagern
  • Schichtbetrieb: Aus einer Schicht eine gemischte Früh- und eine gemischte Spät-Schicht machen, die sich untereinander am Tag nicht begegnen.
  • Möglichkeiten zur Erweiterung der Geschäftsfelder prüfen: In welchen – noch unerschlossenen Märkten werden die Produkte/Dienstleistungen noch gebraucht?
  • Gespräche mit der Hausbank führen: Zur möglichen Erweiterung von Kreditlinien und zu den sich durch die KFW und Bürgschaftsbanken ergebenden Möglichkeiten.
  • Auswirkungen der Krise auf die aktuellen Vorgänge prüfen: Fallen Aufträge weg, oder kommt es nur zu Verschiebungen?
  • Vorbereitung auf die Zeit nach der Krise: Wer kommt am schnellsten aus dem Startblock?
  • Chancen suchen: Jede Krise bietet diese!

Weitere Hilfen und Maßnahmen

Viele Dinge würden hier an dieser Stelle viel zu weit führen. Entscheidend ist auch immer der jeweilige Einzelfall. Im Zweifel stehe ich gerne für Rat und Tat unbürokratisch zur Verfügung. Alle Informationen zu staatlichen Hilfen in NRW gibt es unter www.wirtschaft.nrw/corona.

JETZT sind andere Dinge wichtiger…

Christoph Weiland, Oliver Fröhling und Ralf Schwarzkopf

JETZT wäre eigentlich die Zeit des Wahlkampfes. Eine wichtige Phase vor den Kommunalwahlen im September, um Ihnen unseren Bürgermeisterkandidaten Christoph Weiland näher vorzustellen. Um mit Ihnen an unseren Ideen und Maßnahmen für unsere Heimatstadt zu feilen. Sie sollten wissen, wer Sie in Ihrem Wahlkreis im Rat vertreten soll. 

JETZT befinden wir uns aber in einer Situation, wie wir sie noch nie erlebt haben. Eine Pandemie bedroht das Leben vieler Menschen in unserer Stadt. In Italien sterben bereits jeden Tag hunderte von Menschen. Wir hoffen, dass es bei uns nicht so weit kommen wird. Viele wichtige Maßnahmen wurden schon getroffen und die meisten Menschen haben Verständnis und befolgen die Sicherheitsvorkehrungen. 

Das Schreiben im Original…

JETZT ist aber nicht die Zeit für „wohlfeile“ politische Forderungen, für Wahlkampfstände mit Waffeln, für Broschüren und Hausbesuche. Wir glauben, dass Sie vielmehr heute von uns Politikern erwarten, dass wir unseren Job machen. So wie wir aktuell in unseren Berufen jeden Tag für die Erhaltung vieler Arbeitsplätze kämpfen. Dazu kämpfen unsere Vertreter im Bundestag, im Landtag, im Kreistag oder im Rat – wir geben gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Verwaltungen alles, damit wir einigermaßen durch diesen Sturm kommen. Es wird also von der CDU in Lüdenscheid keinen neuen Wahlkampf-Wagen geben, keinen Blog, keinen Podcast, keine Posts bei Instagram oder Facebook. Wir werden Sie über unsere Kanäle bis auf Weiteres über den aktuellen Stand der Corona Situation informieren – nicht als CDU, sondern als ihre gewählten Vertreter. Sie können uns immer erreichen. Die sozialen Medien und unsere Reichweite werden wir trotzdem nutzen: Um anderen Menschen und Unternehmen in dieser Stadt JETZT unter die Arme zu greifen.

Den Kampf, den wir derzeit gemeinsam führen müssen, ist der gegen das Virus – JETZT!

Bleiben Sie gesund und zu Hause!

gez. Ralf Schwarzkopf (Vorsitzender der CDU Lüdenscheid)
gez. Oliver Fröhling (Fraktionsvorsitzender der CDU Lüdenscheid)
gez. Christoph Weiland (Bürgermeister-Kandidat der CDU Lüdenscheid)